Frage: Wie entwickelt sich der Unterricht weiter, wenn es eine 1:1-Ausstattung mit mobilen Endgeräten gibt?
Die bessere Frage lautet:
Wie soll sich der Unterricht grundsätzlich inhaltlich, methodisch und didaktisch weiterentwickeln und wie kann eine 1:1-Ausstattung mit mobilen Endgeräten diese Ziele unterstützen bzw. welche zusätzlichen Möglichkeiten aber auch Anforderungen an den Unterricht ergeben sich daraus?
Ein Konzept zur Unterrichtsentwicklung zu erstellen, ist sicherlich die umfangreichste und komplexeste Aufgabe bei einer geplanten 1:1-Ausstattung, da hier jedes Fach und jede Lehrkraft involviert sind. Wir können Ihnen an dieser Stelle lediglich zeigen, was grob unter der Formulierung "inhaltliche, methodische und didaktische Weiterentwicklung" verstanden werden kann und Sie auf unsere Unterstützungsangebote hinweisen. Jede Schule ist jedoch individuell zu betrachten, jede Schülerschaft und jedes Kollegium hat andere Bedarfe und Wünsche, die in Form von Evaluationen und Austauschformaten erfasst werden sollten. Das Ziel sollte immer sein, eine flächendeckende Weiterentwicklung in allen Fächern und Stufen anzustoßen und somit jeden mitzunehmen. Wie das erreicht werden kann und wie diese Weiterentwicklung konkret aussieht, muss jede Schule selbst entscheiden.
Welche Änderungen wünscht sich das Kollegium in Bezug auf den Unterricht? Welche Lehr-/Lernsettings sollen umgesetzt werden, welche Lernformen werden bevorzugt?
Welche Kompetenzen gemäß dem Strategiepapier der KMK zur Bildung in der digitalen Welt werden in welchen Fächern und Stufen bereits gefördert und welchen Einfluss hat demnach eine 1:1-Ausstattung auf die internen Curricula? Welche Kompetenzbereiche rücken jetzt noch mehr in den Fokus? Welche drohen vielleicht übersehen zu werden?
Wie stellen sich die Kolleginnen und Kollegen den Tagesbetrieb mit einer 1:1-Ausstattung vor und mit welchen Auswirkungen auf den Unterricht rechnen sie?
Achtung
Eine 1:1-Ausstattung führt nicht automatisch zur Förderung der Medienkompetenz. Diese setzt sich aus mehreren Teilkompetenzen zusammen, welche sich allesamt auch mit einem anderen Ausstattungskonzept oder teilweise sogar ohne Ausstattung fördern ließen. Wie bereits erwähnt kann eine 1:1-Ausstattung Auswirkungen auf die Unterrichtsinhalte haben,
bspw.
die Vermittlung neuer Inhalte und Kompetenzen erfordern oder fördern. Aber die Weiterentwicklung des Unterrichts hinsichtlich der Bildung in der digitalen Welt sollte auch unabhängig von der 1:1-Ausstattung voran getrieben werden.
Beispiele, wie ein Unterricht mit einer 1:1-Ausstattung aussehen kann:
- Viele Materialien wie (differenzierte) Arbeitsblätter, (freie) Texte oder der Tafelanschrieb können - auch spontan im Unterricht - auf die mobilen Endgeräte gesendet werden, auch ohne Internetverbindung.
- Im Klassenzimmer oder auf dem Schulgelände werden QR-Codes verteilt, z. B. an Stationen (Gruppenarbeiten, Lernstationen), die zu unterschiedlichen Materialien führen.
- Im Deutsch-/Fremdsprachenunterricht kann nicht länger nur die Schriftsprache, sondern auch die Aussprache über ein Einreichen von Ergebnissen
in Ruhe vorbereitet, geübt und beurteilt werden. Schülerinnen und Schüler (alleine oder zu zweit) erhalten einen Text, bspw. mit unbekannten Wörtern, deren Aussprache sie recherchieren und daraufhin einüben. Sie lesen den Text und nehmen sich dabei so oft auf, bis sie selbst zufrieden sind und die Audiodatei einreichen wollen.
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Prüfungssituationen und -formate können sich ändern.
- Schülerinnen und Schüler können multimediale Portfolios, Projektordner oder Wörterbücher anlegen, die neben Text auch Bild, Video und Audio enthalten.
- Auch eine digitale Heftführung ist über entsprechende Apps möglich, sowohl in getippter, als auch in handschriftlicher Form. Hier ergeben sich durch die vielfältigen Möglichkeiten von Tablets (Bild, Video, Ton, Screenshots u. v. m.) neue Formate der „Heftführung“. Dies sollte allerdings als Angebot für die Schülerinnen und Schüler nach vorher festgelegten Kriterien gemeinsam mit der Schulgemeinschaft abgestimmt werden.
Auch im Kontext der 1:1-Ausstattung kann das SAMR-Modell herangezogen werden, um sich darüber im Klaren zu werden, welche Funktion die mobilen Endgeräte im Kontext einer 1:1-Ausstattung haben, wobei sich das Modell eigentlich auf das allgemeine Thema Bildung in der digitalen Welt bezieht.
- Substitution: Analoge Vorgänge werden lediglich digitalisiert.
Beispiel: Das Verteilen von Arbeitsblättern oder Mitschreiben im Unterricht.
- Augmentation: Die nun digitalisierten Vorgänge werden erweitert.
Beispiel: Das Lesen eines Texts kann durch Vergrößern oder die Vorlesefunktion unterstützt werden.
- Modification: Vorgänge, Methoden oder Unterrichtsinhalte können umgestaltet werden.
Beispiel: Das kollaborative Schreiben eines Texts als Gruppe über ein Etherpad.
- Redefinition: Es gibt vollkommen neue Gestaltungsmöglichkeiten bezogen auf Methodik, Didaktik und Inhalte.
Beispiel: Programmierung/Entwicklung von Apps erlernen.
Umsetzung im Kollegium
Die hier genannten Aspekte finden Sie auch im Ablaufplan. Dort steht auch, welche Schritte parallel eingeleitet oder umgesetzt werden können.
- sicherer Umgang mit der Ausstattung: Planung von Schulungen und Fortbildungen mithilfe des Fortbildungskonzepts
- Regeln zur Nutzung der Geräte im Unterricht
- genaue Betrachtung der internen Curricula und eigenen Unterrichtspläne: Was kann/soll/wird sich durch die 1:1-Ausstattung ändern? Rückmeldungen über Bedarfe und Wünsche fließen mit ein in das Ausstattungs- und Nutzungskonzept
- Viele Aspekte, die den Unterricht betreffen, sind eher organisatorischer Natur: Einigung auf grundlegende Apps, Klassenmanagement, Dateiablage und -austausch, digitale Schulbücher, Nutzung der Lernplattform
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